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Start SVU-Attacke Archiv Heft Nr. 08 - März 2001 Interview mit Lubens Martin

PostHeaderIcon Interview mit Lubens Martin

Heft Nr. 08 - März 2001

INTERVIEW MIT LUBENS MARTIN

"Et woar en scheene Zeyd"
Übersetzt: "Ich bereue nichts!"

Sein Sitzplatz auf dem Koberner Sportplatz war die Trainerbank. Hier konnte man den Betreuer der 1. Mannschaft des SVU auch schon das eine oder andere Mal vorfinden. Doch meistens war er unterwegs. Unterwegs entlang der Außenlinie. Unermüdlich rannte er rauf und runter. Und böse Zungen behaupteten, dass sogar seine vermeintlich leise gesprochenen Kommentierungen bis auf die andere Moselseite nach Dieblich zu hören waren.....

Ein Leisetreter war er eigentlich nie, der ehemalige Betreuer der 1. Fußballmannschaft. Er sagte immer, was er dachte und das auch manchmal laut. Heute hat er seinen Sportplatzsitzplatz aufgegeben. Er "sitzt" in der Sporthalle, hat er doch Hans Fuchs als Hausmeister abgelöst. Der Fußballer durch und durch, der uns zum Interview mit folgenden Worten empfing: "Am Sonndach well esch Eysch en de Hall sähn, die Handballa, hann e janz wischtisch Spill...."

Wir wurden eingelassen in die Halle. Das Interview konnte beginnen.

Redaktion: Lubbe, wie lange warst du Betreuer der 1. Mannschaft?

Lubbe: Ich weiß nicht mehr ganz genau, wann ich angefangen habe, aber ich glaube, es waren über 20 Jahre. Ich hatte damals den Werner Wolff abgelöst.

Redaktion: Mit welchen Trainern hast du zusammengearbeitest?

Lubbe: Manfred Taubenmann, Peter Durst, Bernhard Leiendecker, Gerd Kalter und Rainer Maur.

Redaktion: Gab es auch eine „schönste Zeit"?

Lubbe: Die schönste Zeit war zweifellos in der Verbandsliga. Aber auch damals das Entscheidungsspiel in der Landesliga gegen Güls in Winningen (7:2). Nur hab ich mich am meisten dar- über geärgert, dass ich auf Kegeltour war. Aber danach im Vereinslokal, das wars dann.

Redaktion: Was war denn da los?

Lubbe: Bat do woahr? Do hann isch om Desch ischdanne! Auch, dass wir in der Verbandsliga 2:1 bei der TuS gewonnen haben, war spitzenmäßig. Oder Landesliga - vormittags mit dem Bus weggefahren, abends manchmal besoffen heim. Unser Sa- scha war damals gerade so groß - Lubbe deutet mit seiner rechten Hand eine Höhe von ca. einem Meter drei Komma 5 an - der ist damals im Bus hin und hergerannt.

Redaktion: Gab es auch Orte, die du nicht so gerne besucht hast?

Lubbe: Winterspelt, das war so weit, da hast du auf der Hinfahrt schon gemeint du wärst auf der Rückfahrt.

Redaktion: Warum wird eigentlich jemand Betreuer. Es muss doch ein riesiger Aufwand betrieben werden, die Spiele, das Training...?

Lubbe: Mir hat es unheimlich viel Spaß gemacht, mit jungen Leuten zusammen zu sein. Es waren tolle Kumpels, Bombentrainer, prima Kerle. Kameradschaft stand ganz oben. Ich hatte ein Bombenverhältnis zu allen Trainern, die hatten immer alles mit mir abgesprochen. Wie gesagt, ausschlaggebend war die Bombenkameradschaft zu den Jungs.

Redaktion: War das früher anders als heute?

Lubbe: Früher war es besser, weil einfach mehr Koberner dabei waren. Es war selbstverständlich, dass ich selbst gefahren bin, habe Tee gekocht. Ich hatte selbst soviel Spaß und Freude, dass es mir auch nichts ausmachte, einiges aus meiner eigenen Tasche draufzulegen.

Redaktion: Wie kam es denn genau dazu, dass du Betreuer wurdest?

Lubbe: Der Wolff will aufhören, hieß es. Ich war halt immer auf dem Platz. Übeltäter war der Ossi, aber der Dieze Schorsch war auch mit dabei. Ich hatte das dann mit meiner Frau abgesprochen, sie gab ihr ok. Aber jetzt mit 61 soll man aufhören. Ich wollte schon etwas früher aufhören. Aber die haben mich im- mer wieder überredet weiterzumachen. Jetzt hat mich der Hilli noch mal doll gequatscht.

Redaktion: Und jetzt - ohne das Amt des Betreuers?

Lubbe: Ich betreue jetzt die Handballer. Die haben anfangs gemeint, als ich das Hausmeisterzimmer renovierte, ich wollte Wände und Decke schwarz-gelb streichen. (Die Redaktion: Lubbe ist Dortmund-Fan, natürlich ein zurückhaltender)

Redaktion: Gab es auch Tiefpunkte?

Lubbe: Der Abstieg aus der Verbandsliga und 92/93 der Abstieg aus der Landesliga.

Redaktion: Siehst du Unterschiede, Fußball früher - heute?

Lubbe: Früher wurde mehr Fußball gespielt. Es gab kaum jemand, der nicht trainieren kam. So kam es auch, dass gegen Ende der Spiele immer noch ein Zahn draufgelegt werden konnte. Wenn beispielsweise der Manni Taubenmann reinkam, dann ging immer noch mal ein Ruck durch die Mannschaft. Es war ein athletischerer Fußball mit ausgeprägteren Spieler- persönlichkeiten, gepaart mit guten Kämpfern, die jede Mann- schaft braucht. Dazu waren die im Durchschnitt technisch besser, bis auf ein paar Ausnahmen waren alles perfekte Techniker.

Redaktion: Wieviel Zeit muss denn ein Betreuer so investieren?

Lubbe: Viel! Vor allem ging der ganze Sonntag drauf. Daneben habe ich ja einen Beruf, der mich immer sehr stark gefordert hat. Du brauchst eine Frau, die das alles mitmacht, die dich unter stützt, da muss ich meiner Frau ein Riesenkompliment ma chen. Die hat sich nie für Fußball interessiert, als ich zum Beispiel noch in Lonnig spielte. Sie saß im Auto und strickte. Hier in Kobern machte sie mit, da musste ich sie fast festhal- ten, sonst hätte sie selbst gegen den Ball getreten.

Redaktion: Wie war das eigentlich mit deiner aktiven Zeit? Bekannt bist du mir eigentlich nur als Torwart der Alten Herren. Oder hast du als Jugendlicher schon dort angefangen?

Lubbe: Du .... (Insider wissen, welches Schimpfwort Lubbe jetzt gebraucht hat) Ich habe vier Jahre in Kesselheim gearbeitet und da gespielt. Eigentlich habe ich in Kobern angefangen zu spielen. Der Dieler Karl war damals der Chef. Das könnte so 1962 gewesen sein.

Redaktion: Hast du auch „Erste" gespielt?

Lubbe: Da kam ich damals nicht rein, weil ich dem Dieler Karl keinen Wein bezahlt habe.

Redaktion: Dann kam deine zweite Karriere bei den Alten Herren?

Lubbe: Das war eine wunderschöne Zeit....Da gehe ich auch wieder rein!

Redaktion: Und - werden wir Dich wieder auf dem Sportplatz sehen?

Lubbe: Auf jeden Fall! Aber ich mache jetzt Hallenwart, bin 61 Jahre und bereite mich langsam auf den Ruhestand vor.

Redaktion: Und wie siehst du das ganze heute - mit etwas Abstand?

Lubbe: Ich bereue nichts aus dieser Zeit, ich bin dadurch jung geblie- ben. Ich fühle mich sauwohl mit meinen 61 Jahren. Das hat mir unheimlich Spaß gemacht, wenn ich dann so junge Pimpfe aus der A-Jugend bekommen habe - und du dann siehst, wie die sich weiterentwickeln. Da waren manche so schüchtern, die haben sich nicht getraut, sich zu uns zu setzen. Das haben aber dann die Frauen geklärt. Und der Muli mit der Singerei, über 30 Lieder hat der draufgehabt, ohne eines zu wiederholen. Das alles gibt es heute nicht mehr...

Redaktion: Wie sehen deine Pläne aus, jetzt ohne Fußball?

Lubbe: Nein, wenn es die Zeit zulässt, werde ich mit meiner Frau noch regelmäßig zum Sportplatz kommen. Eines will ich allerdings auch noch: Ich will wieder zurück in die Alte Herren. Ich möchte meinem Nachfolger, dem Dieze Schorsch noch viel Freude bei seiner Tätigkeit wünschen und dem Koberner Fußball wieder etwas mehr Erfolg.

Redaktion: Lubbe, vielen Dank für das Interview und für die Zukunft alles Gute.

Lubbe: Dat es doch selbstverständlich, dovia brauchsde dich net ze bedanke, Du A... Owa jetzt macht dat da fottkommt, ihr Uhreschliewa!

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